Biografie

Jürg Zurmühle (Foto: Stefan Schacher)

1957 in Basel geboren, beschäftige ich mich seit meiner Kindheit mit Musik. Als Flötist in der Basler Knabenmusik hatte ich meine ersten Konzerte und Erfolge. Während meines Flötenstudiums an der Musikakademie Basel kam ich an einem Konzert in den Kontakt mit dem intensiven lebendigen Klang der japanischen Bambusflöte Shakuhachi. Ich begann nachfolgend mit dem Unterricht bei Dr. Andreas Fuyû Gutzwiller. Es folgten weitere Studien bei Satoshi Shimura in Osaka und mehrere Aufenthalte in Japan. Ich erhielt mienen Meistertitel (Shihan) und meinen Meisternamen "Fuyûzui" von Kawase Junsuke II, Oberhaupt der Schule Chikuyûsha, Kinkoryû.

Im Vordergrund steht bei mir die Integration der verschiedenen Auffassungen und Lehrmethoden von westlicher und östlicher Musik. Ich bin der Meinung, dass jeder Musik etwas urtümliches, allgemein Menschliches zugrunde liegt, eine der Klangwelt eigene Art von Welterkenntnis. In allen Kulturen weist Musik auf etwas hin, was jenseits der Sprache, des Verstehens und des Rationalen liegt. Jede Kultur hat ihre eigene Ausprägung der Musik entwickelt. Die Vielfalt der Musik der Welt UND die Gemeinsamkeiten aller Musik ermöglichen uns heute einerseits eine Begegnung mit dem Fremden, Neuen in jeder Musik und anderseits Möglichkeiten des Zugangs zu diesem Fremden.

In Konzerten, Kompositionen und im Unterrichten ist mir sehr wichtig, dem "Wesentlichen" in der Musik nach zu forschen. Dieses "Wesentliche" lässt sich nicht in Worten ausdrücken, da sind sich Künstler, spirituelle Meister und Philosophen aus West und Ost einig. Es ist erfahrbar, lern- und lehrbar, erkennbar.

Die Shakuhachi ist ein wunderbares Instrument (auch in der ursprünglichen Bedeutung von "Werkzeug"), um diesem "Wesentlichen" auf die Spur zu kommen. Die Tradition des Unterrichtens im Gegenüber mit dem Lehrer, die urtümliche, unvirtuose Musik und die Einfachheit des Instrumentes bringen die übende Person immer wieder sehr schnell auf die Beschäftigeung mit sich selbst zurück und erschweren Umwege und Ablenkungen auf dem Weg des Erkennens. Als Mensch, der im Westen wurzelt und mit Japan verbunden ist, versuche ich, die Erfahrungen und Kenntnisse der westlichen und japanischen Kultur auf eine Weise in klingender Musik und im Unterricht zu vermitteln, die dem heutigen westlichen Menschen gerecht werden. Dazu bilden sowohl Pädagogik, Psychologie und Philosophie wie auch Erkenntnisse und künstlerische und kontemplative Erfahrungen die Basis.

Das Lernen und Üben der Flöte Shakuhachi wird durch ihren historischen Hintergrund und ihre Verbindungen zum Zen einerseits gerne auf all zu dogmatische Weise betrachtet. Anderseits wird der Weg des Lernens verharmlost und das Instrument nur als exotischer Effekt verwendet. Eine intensive, wache und kritische Auseinandersetzung mit dem Beweggründen für die Auseinadersetzung ist daher sehr hilfreich, um seinen eigenen heilsamen und autenthischen Weg der Shakuhachi zu gehen.

 

Über 30 Jahren arbeite an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW). Seit 2009 bin ich Leiter der Professur Musikpädagogik am Institut für Primarstufe der Pädagogischen Hochschule.